Sekundärneoplasien: Tumore des Zentralen Nervensystems (ZNS)

This page is part of the German version of the PanCare PLAIN summaries about late effects and recommendations for long-term follow-up care for survivors of childhood, adolescent, and young adult cancer. Click here, to visit the English PLAIN summaries.
PLAIN version 3: September 2025

Diese Broschüre ist eine Fortsetzung der Broschüre „Sekundärneoplasien: Allgemeines“, welche du zuerst lesen solltest, bevor du mit dieser Broschüre fortfährst.

Sekundärneoplasien: Tumore des Zentralen Nervensystems (ZNS)

Das Gehirn und das Rückenmark bilden zusammen das zentrale Nervensystem (ZNS). Das ZNS steuert fast alle Prozesse, die in unserem Körper ablaufen. Es ermöglicht uns zum Beispiel zu fühlen, zu sehen, zu hören, zu riechen und zu schmecken, aber auch uns zu bewegen und zu denken.

Manchmal können Zellen aus dem ZNS entarten und zu einem Tumor werden. Wenn dies im Gehirn oder Rückenmark geschieht, spricht man von einem ZNS-Tumor, der gutartig oder bösartig (Krebs) sein kann. Auch ein gutartiger Tumor kann durch seine Größe oder Lage Probleme verursachen.

Häufige Arten von ZNS-Tumoren sind:

  • Tumore, die aus den Hirnhäuten, also den umgebenden Schichten des Gehirns oder des Rückenmarks wachsen. Meningeome sind meistens gutartig.
  • Tumore, bei denen Gliazellen, die das Gehirn und das Rückenmark versorgen, bösartig werden.

Nur sehr wenige Menschen, die bereits an Krebs erkrankt waren, erkranken an Tumoren des ZNS.

Aufgrund der ersten Krebstherapie haben manche Survivors (ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter) ein erhöhtes Risiko für ZNS-Tumore.

Das Gehirn und das Rückenmark
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Habe ich ein erhöhtes Risiko für einen ZNS-Tumor?

Bei allen Menschen, auch bei denen, die keine Krebstherapie hatten, kann ein ZNS-Tumor auftreten. Manche Krebstherapien können jedoch das Risiko für einen ZNS-Tumor im Laufe des Lebens erhöhen.

Die folgende Krebstherapie kann das Risiko für einen ZNS-Tumor erhöhen:

  • Eine Bestrahlung des Kopfes, des Gehirns oder des Rückenmarks oder eines Bereichs, der den Kopf, das Gehirn oder das Rückenmark einschließt.

Du kannst in deiner Behandlungsübersicht sehen, ob du diese Krebstherapie erhalten hast. Falls du keine Behandlungsübersicht hast oder du Fragen hast, kontaktiere dein behandelndes Krankenhaus.

Wenn bei dir ein ZNS-Tumor auftritt, dann liegt dies nicht immer an der ersten Krebstherapie. Ein ZNS-Tumor kann auch andere Ursachen haben.

Was sind die Symptome und Anzeichen eines ZNS-Tumors?

Es gibt Symptome und Anzeichen, die auf einen ZNS-Tumor hindeuten können. Auch wenn du diese Symptome und Anzeichen aktuell nicht hast, ist es wichtig, diese zu kennen, falls sie sich in Zukunft entwickeln.

Die Symptome und Anzeichen eines ZNS-Tumors hängen von der Größe und Position des Tumors ab. Häufige Symptome und Anzeichen für einen ZNS-Tumor sind:

Hirntumor:

  • Kopfschmerzen, die immer zurückkommen oder schlimmer werden
  • Erbrechen ohne Übelkeit, besonders am Morgen
  • Krampfanfälle
  • Schwäche oder Lähmung auf einer Seite des Körpers
  • Schwierigkeiten beim Sprechen oder Sehen
  • Schwierigkeiten beim Gehen oder mit dem Gleichgewicht

Tumor des Rückenmarks:

  • Rückenschmerzen, die in andere Körperteile ausstrahlen
  • Schwäche in Armen und Beinen
  • Rückenschmerzen, die nachts schlimmer werden
  • Unmöglichkeit für längere Zeit zu pinkeln oder Stuhlgang zu haben (Verstopfung)
  • Unkontrollierter Abgang von Urin oder Stuhl (Inkontinenz)

Diese Symptome und Anzeichen haben oft eine andere Ursache. Trotzdem sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung eines ZNS-Tumors sehr wichtig. Falls du eines dieser Symptome oder Anzeichen wiedererkennst, kontaktiere bitte deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Ich habe ein erhöhtes Risiko für einen ZNS-Tumor. Welche Untersuchungen sollte ich machen und wann?

Falls du ein erhöhtes Risiko für einen ZNS-Tumor hast, wird empfohlen, dass du regelmäßig, mindestens alle 5 Jahre, zu deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in gehst.

Diese Fachpersonen können:

  • nach deiner neurologischen Vorgeschichte fragen und ob du Symptome und Anzeichen eines ZNS-Tumors hast.
  • eine neurologische Untersuchung durchführen. Eine neurologische Untersuchung umfasst kleine Tests, wie zum Beispiel die Überprüfung der Reflexe oder der Augenbewegungen.

Wenn du ein erhöhtes Risiko für einen ZNS-Tumor hast, kannst du mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in gemeinsam besprechen und entscheiden, ob du regelmäßig eine MRT-Untersuchung des Gehirns und des Rückenmarks durchführen möchtest. Dies wird als gemeinsame Entscheidungsfindung oder „shared-decision-making“ bezeichnet. Eine regelmäßige MRT-Untersuchung durchzuführen hat Vor- und Nachteile.

Die (häufigere) Durchführung dieser Tests hat Vor- und Nachteile, zum Beispiel:

(Häufigere) Untersuchungen der Schilddrüse

Vorteile Nachteile
  • Eine MRT-Untersuchung kann helfen, die Krankheit in einem frühen Stadium zu erkennen. Dadurch könnte der Tumor einfacher und mit weniger belastender Krebstherapie behandelt werden.
  • Wenn du keinen ZNS-Tumor bekommst, kann eine MRT-Untersuchung dir die Gewissheit geben, dass du keinen ZNS-Tumor hast.
  • Eine MRT-Untersuchung ist eine sichere und zuverlässige Methode zur Feststellung und Diagnose von ZNS-Tumoren.
  • Eine MRT-Untersuchung kann Ängste auslösen, während du auf die Untersuchungsergebnisse wartest.
  • Manchmal ist eine MRT-Untersuchung schwierig zu interpretieren. Das bedeutet, dass manchmal zusätzliche Untersuchungen erforderlich sind. Dies kann zu Angst und Stress führen.
  • Manchmal verursacht ein gutartiger Tumor, wie zum Beispiel ein Meningeom, keine gesundheitlichen Probleme. Wenn man ein Meningeom in der MRT-Untersuchung entdeckt, ist es leider schwierig zu wissen, ob dieses Meningeom später Probleme verursachen wird.
  • Eine MRT-Untersuchung kann auch andere Veränderungen des Gehirns oder der Blutgefäße zeigen. Es ist nicht immer klar, ob diese Veränderungen später Probleme verursachen werden oder ob sie harmlos sind. Wenn du weißt, dass du Veränderungen des Gehirns oder der Blutgefäße hast, kann das Stress und Ängste auslösen. Es kann auch zu Schwierigkeiten zum Beispiel beim Abschluss einer Versicherung oder bei Krediten führen, wenn dies in deiner Krankenakte steht.
  • Für manche Menschen kann eine MRT-Untersuchung belastend sein, vor allem wenn sie Platzangst haben. Das Personal der radiologischen Abteilung kann bei einer möglichst bequemen Lagerung helfen.
  • Wenn du medizinische Geräte oder Metallteile in deinem Körper hast oder wenn du eine Allergie gegen MRT-Kontrastmittel hast, kannst du möglicherweise keine MRT-Untersuchung durchführen lassen. Bei vielen modernen Implantaten kann jedoch eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden (MRT-kompatibel).
  • Wenn du eine schlechte Nierenfunktion hast, besteht bei einer MRT-Untersuchung mit Kontrastmittel (Gadolinium) das Risiko einer Nierenschädigung (ein Syndrom, das als nephrogene systemische Fibrose bezeichnet wird).
  • Eine MRT-Untersuchung kann teuer sein und wird möglicherweise nicht von der Krankenkasse übernommen.

Was passiert, wenn ich einen ZNS-Tumor habe?

Falls du einen ZNS-Tumor hast oder haben könntest, kann dich dein Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in zu einem onkologischen Behandlungsteam überweisen. Zu diesem Team können unter anderem gehören:

  • Neurochirurg:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf Operationen am Gehirn und Rückenmark)
  • Neurolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf das Gehirn und das Rückenmark)
  • Onkolog:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf Krebserkrankungen)
  • Strahlentherapeut:in (Arzt/Ärztin spezialisiert auf die Behandlung von Krebs mit Bestrahlung)

Diese Fachpersonen können weitere Untersuchungen machen und verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung mit dir besprechen.

Was kann ich noch tun?

Zu wissen, dass du ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines ZNS-Tumors hast, kann belastend sein. Es kann hilfreich sein, hierüber mit Freund:innen, Familie oder Fachpersonen zu sprechen oder sich mit Patient:innengruppen auszutauschen. Weitere Informationen, wie man die eigene mentale Gesundheit unterstützen kann, sind im Kapitel „Mentale Gesundheit“ zu finden.

Auch wenn es keinen direkten Einfluss auf das Risiko eines ZNS-Tumors hat, ist es trotzdem wichtig, einen gesunden Lebensstil zu haben und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Bereits kleine Veränderungen im Lebensstil können vorteilhaft für die körperliche und mentale Gesundheit sein. Weitere Informationen zu einem gesunden Lebensstil finden sich im Kapitel „Gesundheitsförderung“.

Es ist wichtig, dass du weißt, dass du ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines ZNS-Tumors hast und dass du die Symptome und Anzeichen kennst. Falls du Fragen hast oder du dir Sorgen machst, kontaktiere deinen Hausarzt/deine Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen zu ZNS-Tumoren kann man online finden. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Informationen nicht immer aktuell oder genau sind.

Weitere Informationen auf Deutsch:

Auf dieser Webseite findest du auch Informationen zu weiteren Themen:

Anmerkung

Diese PLAIN Zusammenfassung basiert auf der PanCareFollowUp Leitlinie zu „Subsequent neoplasms: CNS tumors” [1], welche wiederum auf der entsprechenden IGHG* Leitlinie basiert [2].

Obwohl sich die PanCare PLAIN Informationsgruppe bemüht, genaue, vollständige und aktuelle Informationen bereitzustellen, kannst du bei deinem Hausarzt/deiner Hausärztin oder Nachsorgespezialist:in überprüfen, ob diese Zusammenfassung die aktuellen verfügbaren Informationen widerspiegelt und ob sie für dich relevant ist.

Bitte verlasse dich nicht ausschließlich auf diese Informationen. Es ist am besten, auch den Rat von qualifizierten medizinischen Fachpersonen einzuholen, wenn du Fragen zu einer bestimmten Erkrankung, Diagnose oder einem Symptom hast.

Es wird keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Zusicherung hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Vollständigkeit, Relevanz oder Aktualität dieser Informationen übernommen. PanCare hat die englische Version erstellt und ist nicht für die übersetzten Versionen dieser Zusammenfassung verantwortlich. Die deutschsprachige Version der Zusammenfassung wurde durch die „PLAIN Language Summaries Deutsch-Gruppe“ (Balcerek M., Filbert A-L., Goerens L., Grabow D., Lüdersen J.) verfasst.

Die PanCare-Materialien können kostenlos von allen genutzt werden, die über Spätfolgen und Langzeitnachsorge informieren wollen. Es darf jedoch kein finanzieller Vorteil erzielt werden. Bei jeder Nutzung sollte auf PanCare verwiesen werden und es sollte ein Link zur PanCare-Webseite enthalten sein.

Wir verwenden in dieser Broschüre einen Doppelpunkt zum Gendern und möchten damit männliche, weibliche und non-binäre Personen einschließen. Die Broschüre richtet sich vorrangig an ehemalige Patient:innen einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (Survivor). Sie kann auch für Angehörige und Interessierte hilfreich sein.

[1] van Kalsbeek, R. et al. (2021) European PANCAREFOLLOWUP recommendations for surveillance of late effects of childhood, adolescent, and Young Adult Cancer, European journal of cancer. Verfügbar unter: https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(21)00368-3/fulltext.

[2] Bowers, D.C. et al. (2021) Surveillance for subsequent neoplasms of the CNS for childhood, adolescent, and young adult cancer survivors: a systematic review and recommendations from the International Late Effects of Childhood Cancer Guideline Harmonization Group. Verfügbar unter: https://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(20)30688-4/fulltext.